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LaborbeagleVerein - Tierschutz - Tonis Welt

Liebe Leute,

ich muss gestehen, dass ich manchmal unter dem Schreibtisch liege und Telefonate belausche. Da es selten etwas Erhellendes gibt, döse ich meistens schnell weg. Vor ein paar Tagen wurde ich Zeuge eines sehr merkwürdigen Gesprächs. Ein Hund soll nach kurzer Zeit aus seiner Familie wieder ausziehen, weil "der Funke nicht übergesprungen ist". Das verstand ich nicht, denn die wenigstens von uns, wenn es denn überhaupt welche gibt, erfahren in den Instituten eine Ausbildung zum Pyrotechniker.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs begriff ich, dass das mal wieder so eine typisch menschliche, blumige Unschreibung für einen schlichten Sachverhalt ist: Mensch bestellt Hund, Hund wird termingerecht und mangelfrei angeliefert. So weit, so gut. Jede Waschmaschine hätte damit ein Bleiberecht auf Lebenszeit erworben, aber bei Hunden scheint es anders zu sein. Es wird erwartet, dass sie nicht nur der Beschreibung entsprechen, sondern beim Besteller auch noch spontan das Gefühl inniger Liebe und tiefer Verbundenheit hervorrufen.

Aus Gründen, die ich nicht kenne, passierte genau das in der Mensch-Hund-Konstellation, über die gesprochen wurde, nicht. Kein Funkenflug, keine Schmetterlinge im Bauch, einfach nur ein Hund. Ein Hund mit einer Geschichte, mit Bedürnissen, mit einem Charakter.

Bitte fallt niemals auf die Schlauberger rein, die Euch erzählen wollen, wir seien wie Welpen! Welpen sind süß und niedlich, vor allem anderen sind sie aber unbeschriebene Blätter (ja, auch ein Hund kann "Metapher"!). Wir erwachsenen Hunde sind das nicht, Wir sind Hundepersönlichkeiten und ähnlich wie bei Euch Menschen gibt es solche und solche. Ich teile mein Zuhause mit meinen Menschen und vier weiteren Hunden und ich kann Euch versichern, dass wir Hunde sehr unterschiedlich sind, obwohl drei von uns Beagle sind und früher im Labor waren.

funkenBei meinem Einzug gab es definitiv null Funkenflug, den hatte aber auch niemand erwartet, denn ich kam ja als Pflegehund. Wir haben uns in Ruhe kennen gelernt, und irgendwann, etliche Wochen oder Monate später, wurde meinen Leuten klar, dass sie mich sehr gerne haben und ich blieb. Wenn ich richtig informiert bin, war es bei den anderen Hunden ähnlich. Diese Vorgehensweise ist vielleicht ein bisschen umständlich, schützt aber vor Enttäuschungen.

Die Leute bekommen ja selten mehr als ein Foto von uns und wissen, wie alt und wie schwer wir sind. Und dann werden wir bestellt. Während sie auf die Lieferung warten, schauen die Menschen unser Foto an, und denken sich aus, wie wir sind, oder wie sind uns gerne hätten. Und dann sind wir da, und sehen auch so oder so ähnlich aus wie auf dem Bild, sind aber doch irgendwie - anders. Schon kommen die ersten Zweifel.

Wir Hunde sind ja bekanntlich sehr anpassungsfähig, was man von Menschen eher nicht behaupten kann.

Wenn Ihr also nicht ganz sicher seid, dass Ihr wirklich offen seid für einen Hund, den Ihr nicht kennt, dann adoptiert bitte einen, der in einer Pflegestelle wartet und den ihr vorher besuchen und beschnüffeln könnt. Wir möchten nicht Anlass für Eure Enttäuschung sein.

Ihr habt die Wahl - wir nicht!

 

Bis zum nächsten Mal, Euer Toni

 

 

Liebe Leute,

vielleicht denkt Ihr ja darüber nach, einen von uns bei Euch aufzunehmen, oder Ihr habt Euch bereits entschieden. Das finde ich gut. Damit sich Hunde und Menschen besser verstehen, schreibe ich auf, wie sich so ein Einzug in eine Familie für uns Hunde anfühlt.

Von meinen KollegInnen im Vermittlungsteam habe ich erfahren, dass die Leute immer fragen, ob wir stubenrein sind und ordentlich an der Leine gehen. Ich bitte Euch!!! Wie denn??? Im Institut ist niemand mit uns spazieren gegangen, wir wussten damals gar nicht, was das ist. Und Halsband und Leine kannten wir auch nicht, sie haben uns umhergetragen, oder, wenn die Wege länger waren, in Bollerwagen transportiert.

Hallo Leute,

ich weiß nicht, ob Ihr es schon gehört habt, aber ich bin jetzt hier eingestellt als Wachhund. Ich soll aufpassen, dass immer alles korrekt läuft und den Zweibeinern beibringen, wie man vernünftig kommuniziert und Konflikte energiesparend löst. Nichts leichter als das ;)

Wenn ich nun schon einmal hier bin, werde ich Euch in unregelmäßigen Abständen meine Sicht der Dinge erläutern.

Heute geht es um die Versager, genau genommen, um die Pflegestellen-Versager. Schon dieser Begriff: eine einzige Katastrophe! Damit sind Menschen gemeint, die sich bereit erklärt haben, einen von uns vorübergehend zu beherbergen, weil niemand da war, der uns wirklich wollte. Was ja auch kein Wunder ist, schließlich gibt es heimatlose Hunde wie Sand am Meer.